Pressethema | Grabungsfeld
Main Echo, Ausgabe 20.6.2007

Grabungsfeld_B_0582Joshua und die Elle des Waldelefanten
Urzeitliches Grabungsfeld für Kinder eröffnet -
»Stück Geschichte, die stattfand« 

Joshua kann's kaum erwarten. Mit der Kelle in der Hand steht der Achtjährige auf dem Baumstamm, der das Grabungsfeld begrenzt. Doch bevor er buddeln darf, erklären erst die Erwachsenen kurz, weshalb und wonach er hier suchen darf. Paläontologie nennt der Professor aus Wiesbaden das Wühlen im matschigen Boden. »Kenn ich«, sagt Joshua und kann's weiter kaum erwarten. Während die anderen Kinder am Freitag der Eröffnung des urzeitlichen Grabungsfelds hinter dem rot-weißen Absperrband harren, haben sich Joshua und sein Freund Daniel bereits den besten Platz gesichert. Das verrät der Blick auf die Hinweistafel, die das Heubacher Kulturnetz aufgestellt hat, und die genau aufführt, wo welches Zeugnis aus der Vorzeit versteckt liegt. Funde gegen Diebstahl gesichert Joshua und Daniel brauchen diese Informationen nicht. Sie waren schon dabei, als die Fundstücke vergraben wurden: In ihrem Kartierungsfeld liegt die aus Beton nachgegossene Elle eines Elephas antiquus, eines Europäischen Waldelefanten. Die beiden wissen auch, dass ihr Fund im Grabungsfeld sicher aufgehoben ist: Die Stücke sind in schweren Betonplatten verankert. Auch sind die Kellen und Bürsten mit Drähten gegen unerlaubten Abtransport gesichert. / Selbst Schatzsucher dürfen ihre Funde nicht einfach mit nach Hause nehmen. Dies erfahren Joshua und Daniel von Professor Egon Schallmayer, dem Leitenden Archäologie-Direktor beim Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Mehr noch: Wer sich auf Schatzsuche begeben will, muss eine Genehmigung einholen, muss seine denkmalfachliche Eignung nachweisen. Einladung auf die Saalburg Den beiden Ur-Elefanten-Jägern und den anderen Heubacher Nachwuchs-Gräbern will Schallmayer auf der Saalburg, dem rekonstruierten Römerkastell im Taunus, noch tiefere Einblicke in seine Arbeit geben. Ein bisschen bedauert er als Archäologe, dass hier »keine Römer vergraben sind«. Richard Mecke-Schrod, der die Idee für die neue Station des Kunst- und Sinnesweges hatte, erklärt das Fehlen römischer Scherben mit der Verletzungsgefahr. Um die Eltern aber vorzuwarnen, verweist er auf den vom Regen aufgeweichten Boden: »Die Kinder sehen wahrscheinlich aus wie Kohlengräber.« Während Joshua immer noch picobello auf dem Baumstamm steht, betont Mecke-Schrod - wie Bürgermeister Joachim Ruppert - den Wert des Waldes als Kulturgut und nicht nur als Wirtschaftsfaktor. Schließlich sind die Knochen und Muscheln ein »Stück Geschichte, die stattfand«. Geschichte, die weiter zurückreicht als bis zum Ur-Elefanten vor 100000 Jahren. Auch Zähne des Pliosauriers, der 150 Millionen Jahren lebte, finden sich im Grabungfeld. Jutta Grimm-Ruppert vom Heubacher Ortsbeirat erinnert mit den Worten Heinz Erhardts an die Ära der Saurier und deren Ende:

Da er auf jeglichem Gebiete nichts weiter war als eine Niete,
beschloss er kurz, sich zu verfärben und für die Nachwelt auszusterben.
Das war, fürwahr, ein trauriger und zeitgemäßer Saurier!

Hier in Heubach nun, dichtet Grimm-Ruppert weiter,
»erfährt der Saurier posthum, nun ein bisschen Ruhm«.

Und nun da Armin Keller, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Ortsvereine, das Absperrband zerschneidet, graben Joshua und Daniel so schnell sie können. Wundern sich, weil sie den Knochen nicht so tief vergraben erinnern. Stoßen endlich auf das Ziel ihrer Suche. Während Daniel dann wenig später den letzten Rest freilegt, steht Joshua wieder auf seinem Baumstamm: trinkt Wasser, isst eine Brezel und blickt auf die Elle des Waldelefanten.

Thorsten Schmitt  | Bildergänzung ©Mecke-Schrod

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